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Eröffnung unserer Ausstellungssammlung
„Kampf dem Rauschmittelmissbrauch“

 

Zuerst sammelten die Menschen Nahrung, dann Kunst, nun Briefmarken oder anderes.
Die Leidenschaft bleibt, solange ein Teil fehlt.
Wir leben heute eigentlich in einer Wegwerfgesellschaft und das Bewahren und Sammeln ist ein Gegenpol dazu. Jeder kann ein Stück Geschichte für die Zukunft aufbewahren

Gesammelt wurde schon in der Steinzeit – um zu überleben. Zur Erinnerung: „Das Sammeln zu Ausstellungszwecken entstand im kirchlichen Zusammenhang. Reliquien wie Knochen oder Kleidungsstücke wurden damals für die Gläubigen ausgestellt."
In der Renaissance lösten dann die Kunst- und Wunderkammern der Herrscher die Kirche ab.
Ein wirklicher Markt ist erst mit der Säkularisierung entstanden, als Klöster und Kirchen ihre Kunstschätze verkauften und Bürger das Sammeln übernahmen.

Die Grundlage für das Bewahren von Alltagsgegenständen stammt aus der Zeit der Aufklärung: „Damals galt das Sammeln von Wissen, wissenschaftlichen Gegenständen als tugendhaft, das In-Serie-Setzen von Dingen, um sie vergleichen zu können."

Ich sehe das heutige Sammeln von Alltagsgegenständen als eine Reaktion auf die Konsumgesellschaft: In einer Zeit, wo Dinge extrem schnell wieder vom Markt verschwinden, kann auch der ganz normale Bürger ein Stück Geschichte für die Zukunft bewahren.
Sammeln ist ein Zeichen für die Wertschätzung des Alltäglichen.
Der Wert eines Gegenstandes ergibt sich unter den Sammlern meist aus dessen Verfügbarkeit.
Das Streben der meisten Sammler geht dahin, alle Lücken zu schließen und Vollzähligkeit oder Vollständigkeit zu erreichen. Das funktioniert aber meist nicht, und genau das macht den Reiz des Bewahrens und Sammeln aus.
Sammeln ist auch eine große Leidenschaft, das Jagen auf Flohmärkten, Sammlerbörsen, die Aufregung, wenn im Internet ein noch fehlendes Stück gefunden wurde.
Das Leben eines Sammlers ist – entgegen den gängigen Klischees - meist ganz und gar nicht langweilig. Wer sammelt, kennt sich auf seinem Spezialgebiet meist sehr gut aus, hat viele Kontakte und einige Geschichten auf Lager.

Wer sammelt hat immer etwas zu erzählen:

  • Wie er sein erstes Stück gefunden hat.
  • Beschlossen hat, eine Sammlung aufzubauen.
  • Welcher Gegenstand am schwierigsten zu bekommen war.
  • Wonach er noch auf der Suche ist.

Eine Sammlung erzählt auch immer eine Geschichte über den Sammler selbst, und gerade in der Wohnung ausgestellte Sachen würden oft eine ganze Biografie in sich bergen.
Eine Sammlung beinhaltet auch Zeugnisse des Lebens, lässt Rückschlüsse auf den Weg einer Person zu.

Für mich ist das Sammeln ein Gegenpol zur massiven Digitalisierung der Gesellschaft: „Dinge zum anfassen, die nicht als Datei auf dem Computer hinterlegt sind, werden weniger. Sammeln steht für eine neu entdeckte Material-Zärtlichkeit, eine Hinwendung zur Haptik, diese fehlt durch die Digitalisierung.“

Eine Sammlung ist eben kein virtueller Wert, sondern etwas, dass auch Orientierung geben kann. Einen Sinn des Sammelns sehe ich in der Konzentration, die ein solches Hobby erfordert. „In unserer extrem hektischen Zeit ist das Bewahren von Dingen eine Art Bremse. Es entschleunigt."

Peter Zimmermann