Eine Form der Drogenabhängigkeit

 

Rauchen erzeugt ebenso starke Abhängigkeit wie harte Drogen. Wie schwer Betroffenen das Aufhören fällt und wie viele von ihnen rückfällig werden, zeigt deutlich die Heimtücke der Sucht, bei der körperliche und psychische Faktoren zusammenspielen. Weitergehende Forschung ist daher notwendig, um  neue Mittel und Methoden zur Raucherentwöhnung zu entwickeln.

 

 

 

 

Was bedeutet Abhängigkeit?

 

Für Sucht und Abhängigkeit gibt es verschiedene

Definitionen, die sich außer auf Tabak auch auf Alkohol, harte Drogen und bestimmte Medikamente beziehen.

 

Mehrere Kriterien müssen erfüllt sein:

  • Zwanghaftes und drängendes Bedürfnis zu rauchen, unabhängig vom Anlass: Das Wissen um die gesundheitsschädigende Wirkung des Rauchens hat wenig Einfluss auf das Verhalten des Süchtigen. Selbst wenn er an einer Krankheit leidet, die durch das Rauchen verursacht oder verschlimmert wird, raucht er weiter.
  • Gewöhnung an das Nikotin: Die ersten Zigaretten haben noch Auswirkungen (Übelkeit, Schwindel, Husten…), die mit zunehmender Gewöhnung nicht mehr auftreten. Gleiches gilt auch für die gewünschten Wirkungen (Entspannung, leichter Rausch,) sodass der Konsum immer weiter gesteigert werden muss, um wieder denselben Effekt zu erzielen.
  • Entzugserscheinungen: Dies sind Beschwerden, die Auftreten, wenn der Süchtige aufhört zu rauchen. Im Tagesrhytmus machen sich Entzugserscheinungen bereits bemerkbar, wenn der Nikotinspiegel im Blut im Laufe der Nacht im Schlaf sinkt. Ein weiteres Anzeichen ist, dass Raucher, die einige Stunden nicht rauchen konnten(z.B. im Büro oder Flugzeug), danach gleich mehrere Zigaretten nacheinander rauchen, um ihren „idealen“ Nikotinspiegel  wiederherzustellen. Doch das deutlichste Anzeichen für Sucht ist die Reaktion auf den Entzug. Gereiztheit, Nervösität, Angst, Konzentrationsschwierigkeiten, Unwohlsein, verlangsamter Herzschlag, Schlafstörungen, gesteigerter Appetit oder Bulimie (Heißhunger und Brechen) – all das deutet auf starke Abhängigkeit hin, die sich handfest störend auf den Alltag auswirkt.  Dabei dauern die körperlichen Entzugserscheinungen nur wenige Tage an. Für die hohe Rückfallquote muss es also noch eine andere Erklärung geben.

 

Körperliches und psychisches Verlangen

  • Die körperliche Abhängigkeit ist vor allem auf das Nikotin zurückzuführen. Das Nikotin wird in der Lunge aufgenommen und von dort über den Blutkreislauf ins Gehirn transportiert. In rund zehn Sekunden erreicht es die Bindungsstellen bestimmter Nervenzellen (Nikotinrezeptoren) und beeinflusst vorübergehend die Aktivität bestimmter Botenstoffe (Neurotransmitter, Noradrenalin, Dopamin und Serotonin) Dieser Mechanismus ruft die Wirkung der ersten Zigaretten hervor, aber auch die Sucht, denn der Effekt lässt rasch nach, und Entzug führt zu Unwohlsein.
  • Die psychische Abhängigkeit hingegen ist durch die Empfindungen bedingt, die man beim Rauchen hat: Es beruhigt bei Stress oder emotionaler Aufgewühltheit, steigert die Merk- und Konzentrationsfähigkeit, macht wacher und dämpft den Hunger.
  • Verhaltensbedingte Abhängigkeit besteht dann, wenn man immer in bestimmten Situationen zur Zigarette greift: bei Stress, Arbeitsdruck, Emotionen, Entspannungspausen, Langeweile, nach dem essen, zum Kaffee und/oder Alkohol… Dieses konditionierte Verhalten wiederholt sich den ganzen Tag und wird schließlich zum Automatismus, der die Sucht verstärkt.

 

Risikofaktoren

 

 

Das Risiko für Tabaksucht wird sowohl durch angeborene als auch durch Umweltfaktoren bestimmt.

  • Genetische Veranlagung. Sie kommt vor allem bei den ersten Zigaretten zum Tragen: Manche sind sofort Kettenraucher, andere nie. Menschen mit geringer Suchtneigung konsumieren kontrolliert und können problemlos aufhören, während starke Suchtpersönlichkeiten zu Rückfällen neigen und noch lange nach der Entwöhnung das Bedürfnis haben zu rauchen.
  • Anfangsalter. Je früher man die ersten Zigaretten raucht, desto größer ist das Suchtrisiko. Im Durchschnitt tritt die Sucht zwei Jahre später ein.
  • Umgebung. Viele Faktoren sind mitbestimmend dafür, ob man anfängt zu rauchen und dabei bleibt: Verfügbarkeit und Preis von Zigaretten, Einfluss von Familie und Freunden, Image des Rauchens in der Gesellschaft, persönliche Probleme, Stress im Beruf, Angst vor dem Dickwerden usw.
  • Psychische Anfälligkeit. Es sind Zusammenhänge zwischen dem Rauchen und psychischen Störungen wie Angstzustände, Depressionen und Alkoholismus festgestellt worden.

 

→  Rückfälle & Craving


Die Rückfallquote ist sehr hoch; sechs Monate nach einer Entwöhnung liegt sie bei rund 80%. Auslöser für einen Rückfall sind meist Stress und starke Emotionen, begünstigend kommt hinzu, wenn Zigaretten leicht verfügbar sind. (Raucher im persönlichen Umfeld) Mit jedem Rückfall ist die Sucht schneller wieder da.


Das englische Verb „to crave“ bezeichnet ein starkes Verlangen nach etwas.

Auf die Tabakabhängigkeit bezogen ist mit „Craving“ die zwanghafte Lust zum Rauche noch Monate (oder Jahre) nach dem Aufhören gemeint. Statistiken zeigen, dass sechs Monate nach dem Aufhören noch 50% aller ehemaligen Raucher davon betroffen sind.

 

 

Kompensation


Leichte Zigaretten (mit niedrigerem Teer- und Nikotingehalt) bringen in der Regel keinen Nutzen, Weil der Raucher  einfach sein Rauchverhalten ändert – er raucht mehr Zigaretten pro Tag und zieht stärker daran, um den gewohnten Nikotinspiegel im Körper zu erreichen und zu halten. Diesen Prozess bezeichnet man als Kompensation.